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Okt 08 2013

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FCL unterliegt dem Sachsen-Dynamo – Festakt zum Tag der deutschen Einheit

Es gibt solche verrückten Fußballspiele. Jeder Fußballfan kennt sie aus der Vergangenheit. Jetzt hat die Gegenwart, präziser der 3. und der 5. Oktober 2013, gleich zwei solcher Spiele geliefert, die sich in das Fußballgedächtnis einbrennen, weil das Gastteam dominiert – beim Ballbesitz, in den Zweikämpfen, bei den Ecken und bei den Torschüssen, am Ende jedoch die Gastgeber gesiegt hatten. Und alle, die dabei gewesen sind, fragen sich: Wie konnte das geschehen; der gesamte Spielverlauf stand doch dem _1050178aErgebnis entgegen? Die Rede ist von den beiden Spielen Borussia Mönchengladbachdresden2013_1 gegen Borussia Dortmund und FC Landtag Sachsen gegen FC Landtag NRW. Konzentrieren wir uns auf das Spiel im Stadion von Dynamo Dresden, das zwar einige Lücken aufwies, dafür aber ein lautstarkes, um nicht zu sagen, fanatisches Publikum hatte. Das leicht angegraute Team des FCL NRW mit Volker Jung im Tor, Dirk Schüttrumpf, Hans Zinnkann, Wolfgang Euteneuer und Bernd Heimfarth in der Abwehr, Norbert Stiens, Jens Harmeier Walter Kern und Markus Weske als elastische Mittelfeldachse sowie Werner Mayer und Willi Nowack als stürmende Wirbelwinde zog von Beginn an ein gefälliges Kombinationsspiel auf, hatte vor allem dank Wolfgang Euteneuer und Norbert Stiens ein deutliches Übergewicht, kreierte etliche Chancen zum Abschluss, allein der Ball wollte nicht über die Linie des Sachsen-Tores. Die Defensive des FCL NRW stand kompakt und ließ nichts zu. Umso überraschender und ausgesprochen unglücklich geriet der FCL kurz vor dem Halbzeitpfiff in Rückstand. Ein gleich zwei Mal abgefälschter Schuss fand den Weg ins eigene Tor. In der 2. Halbzeit bedrängte die Nordrhein-Westfalen das sächsische Tor; jetzt war es vor allem auch der dynamische Jens Harmeier, der immer wieder kraftvoll den Abschluss suchte. Doch immer wieder war auch ein Sachsenbein dazwischen: 13 : 1 lautete schließlich das Eckenverhältnis zugunsten von NRW. Mehr und mehr entblößte der FCL NRW nun sein Mittelfeld, wollte unbedingt den Ausgleich. Und endlich: Getümmel im Fünf-Meter-Raum der Sachsen, und Willi Nowack, kein falscher Neuner, sondern ein Strafrauminstinktspieler, stocherte den Ball zum 1 – 1 über die Linie. Zufrieden aber gab sich das Team damit nicht; es wollte den Sieg. Die Folge: Die Gefahr von Kontern wuchs gegen eine Zweier-Abwehr immer mehr. Noch eine Viertelstunde. Durch einen Doppelschlag hieß es plötzlich nicht 2-1, sondern 1-3. Und jetzt machte sich auch die strapaziöse zwölfstündige Anfahrt von Düsseldorf nach Dresden in den Beinen und Köpfen der NRWler bemerkbar; der Konzentrationspegel sank rapide. Zwei weitere Gegentreffer rauschten ins Netz. Der FCL NRW wurde weit unter dresden2013_2Wert geschlagen. Aber darüber spricht ja wenige Tage später schon niemand mehr. Außenstehende sehen dann leider nur noch das nackte Ergebnis.  Von diesem Ergebnis abgesehen, zeigten sich Dresden und der Landtag Sachsen ausgesprochen gastfreundlich. Vor dem Spiel nahm die nordrhein-westfälische Delegation, angeführt von Landtagsvizepräsident Eckhard Uhlenberg, am Festakt zum Tag der deutschen Einheit im Sächsischen Landtag teil. Es war eine würdige Feier mit der Musik von Haydn und der Begrüßung durch den Präsidenten des Sächsischen Landtags Dr. Matthias Rößler sowie Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Die Festrede hielt mit Bischof Joachim Reinelt einer, der die friedliche Revolution miterlebt hatte. Reinelt rief die Bedingungen, die die Demonstrationen ausgelöst hatten, die von vielen Menschen nicht mehr zu ertragenden Lebensumstände in der DDR, die Macht der Bewegung sowie die Zurückhaltung der SED in den entscheidenden Tagen im Oktober 1989 sehr authentisch und eindrücklich in Erinnerung. Nach dem Spiel saßen die Mannschaften der beiden Landtage und ihre Betreuerinnen und Betreuer noch stundenlang beim Sachsen-Abend zusammen und klönten – wie sich das gehört – über dies und das. Die positive sächsische Art setzte sich am nächsten Tag fort: Ein Wachtmeister mit Säbel in alter sächsischer Polizeiuniform informierte sehr unterhaltsam über die Barockstadt Dresden und ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten von der Frauenkirche über die Lange Wand bis hin zu Semperoper und Zwinger und gab auch mehrfach Einblicke in die Besonderheiten und Untiefen der sächsischenSprache.

 

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